der Mittlere Osten

  • es war einmal wieder so weit...


    Wetteronline sagt Sonne, wir packen die SR und fahren nach Osten. Eifel - Westerwald / Lahn - Vogelsberg, es war noch Freitag Mittag, und da ist am Schottenring noch nicht die grosse Sause, die Rennleitung schaut noch nicht zu. Die Rhön hat schöne Strecken, nach Thüringen, Südseite Thüringer Wald, dann Wechsel auf die Nordseite, Ilmenau, da hatten wir ein airbnb. Beim Abschnallen der Koffer sah ich einen eingedellten Hinterreifen - autsch! Deshalb fuhr die schon einen halben Tag so teigig! Die Werkstatt im Tankrucksack kannte Pannenspray, seit ca 10 Jahren da drin, Bedienungsanleitung abgeschrabbelt, was solls, aufschrauben, Knopf drücken und dann ein wenig fahren, hat soweit gepasst. Am nächsten Morgen zur Tanke, richtige Luft rein, zum Möbel Unger, neues Spray kaufen, und ein guter Händler auf dem Weg hatte in 18 Zoll Enduroschläuche, so dick im Material, dass man fast ohne Reifen fahren könnte.


    Weiter nach Osten ins Erzgebirge, rüber nach CZ, böhmische Strassen: die sind entweder kpl neu oder so abenteuerig, dass man sich freut, wenn das Gabelöl drin bleibt. Kurz vor der Grenze zurück noch getankt, CZ-Spritqualität erste Sahne, Danke, dann über Klingenthal wieder nach -D- durch das Vogtland nach Ilmenau, Luft hatte gehalten.


    Am nächsten Morgen nach Süden, Thüringer Wald nach Südosten hinab, ehemalige Grenzen verschwimmen, da gibt es Ecken und Dörfer, die sehen aus wie vor 50 Jahren, damals Zonenrandförderung, irgendwann hörte die auf? Das Fichtelgebirge, hoch, grün und frisch, da merkt man schon eine leichte Änderung der Vergasertätigkeit.


    Wir sind westlich der Grenze zu CZ nach Süden, immer auf "halber Höhe", eine Klasse Strecke mit Blick nach Westen. Nach einem kurzen Halt hat sich dann unser Hinterreifen nachdrücklich zurückgemeldet, er brauche Luft, diesmal fiel er ganz schnell ab. Fix die Dose Holts rein, dann Vollgas bis zur nächsten Tanke, wasn Glück, Tanke mit Werkstatt und Mechaniker an einem Samstagnachmittag, der gab uns Montiereisen, wir versuchten den Reifen abzudrücken - keine Chance. Da ging er mit mir zur Maschine, die er eigentlich nicht bedienen durfte, und hat den Reifen abgedrückt, danach griffen die Montiereisen, Danke. Neuen Schlauch rein, was fürn Gefummels, das Ventil eines Offroadschlauches durch die Felge zu stecken, das ist sowas von voll und steif da drinnen! Irgenwann war es geschafft, und nach 2 1/4 Stunden sassen wir wieder oben drauf, bis zur Bleibe südlich von Furth im Wald. Tourismusförderung in Bayern heisst, Übernachtung für zwei Leute zu 35 €, grandios!


    Zurück durch die Fränkische Schweiz, immer wieder Klasse, wenn man Forchheim vermeidet. Durch den Steigerwald nach Würzburg, Innenstadt am Main entlang, keine Schilder, City-Nahkampf (literarische Überhöhung, war abba schön) und den Main hinab bis Lohr, dann Spessart, Taunus, an die untere Nahe. Nassau, ein gemütlicher Rastplatz am Fluss, und Bad Ems geben optisch etwas her. Über Koblenz zurück in die Eifel, ca. 1800km in 4 1/2 Tagen, ein Dreiviertelliter Öl, Mannol 20W50. Der schlechteste Sprit war BfT, eigentlich wusste ich das vorher, wollte aber nicht zur Muschel, selber schuld!


    Grüsse aus der Eifel


    A & m

  • Wie gewohnt, maro, ein beeindruckender Reisebericht mit professioneller Bebilderung und leichtem Schreibstil von euch Beiden. Mich juckt es dann immer in den Fingern, es euch nachzumachen.


    Kurze Frage zu dem Hinterraddruckverlust. Habt ihr herausgefunden, was die Ursache war? Nagel, Materialschwäche…?

    Liebe Grüße - Bernd __________________ _ „Frei im Wollen - Frei im Tun - Frei im Genießen“

  • Guten Abend Bernd,
    der Holst-Schaum hat das Leck verraten, nicht unter der Lauffläche, sondern in der Flanke. Ich vermute stark, eine minimale Quetschung bei der letzten Reifenmontage. Ich lasse dabei nicht den Schlauch mit erneuern, der Alte kommt wieder rein. Das hat bisher immer geklappt. Das Risiko, einen Schlauch zu zwicken ist das gleiche, egal ob alter oder neuer Schlauch.
    Ich habe seit Jahrzehnten beruflich mit Bereifung zu tun, wenn ein Schlauch alt wird, zeigt er viele kleine Löcher neneneinander, so wie eine Seenplatte. Ein einzelnes Loch ist normal keine Alterserscheinung, es sei denn, es ist auf einer Vulkanisationsnaht, das ist wieder ein anderer Fall.
    Insgesamt haben wir Glück gehabt, dafür fährt man SR: Hauptständer, Bordwerkzeug, Bereifung mit Schlauch, da kann man sich helfen, auch wenn die Finger schwarz werden.
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    Früher fuhr ich Michelin M38, der war genial, auf der Original-Felge ohne Felgenhump. Den bekommt man im Spaziergang ab und drauf. Dinge ändern sich: ich habe breitere San Remo Felgen eingespeicht, die haben Humpen. Bei der ersten Felge habe ich noch einen halben Tag gearbeitet, die beiden Humpen abzuschleifen. Meine Mutter sagte dann: das ist eine Arbeit für den, der Vater und Mutter erschlagen hat.
    Bei den späteren Felgen habe ich die Humpen stehen gelassen, Ich HASSE sie, was soll das bei Speichenfelgen und Bereifung mit Schlauch? Dann gab es früher Tuben-Tüpe-Reifen, die aktuellen Reifen sind TL.
    Wenn jemand Tips hat, welche Felge in 3 Zoll Breite ohne Humpen ist, welcher g...ute Strassen-Reifen Tuben-Tüpe ist, welcome! Aber ich sehe da nichts am Horizont.
    Irgendeinen Tod muss man sterben, aber es war eine gute Tour, man kann blöder liegenbleiben und länger, und wer nicht fährt, fährt auch nicht platt.
    Allen Beteiligten konstante 2,5bar wünschen
    A & m

  • Hi maro,


    Das hört sich plausibel an. Immer gut, wenn man eine Diagnose stellen kann.


    Danke auch für deine Infos zu den breiten San Remo Felgen und den Erfahrungen beim Humpen abschleifen. Du tauchst in die Dinge immer tief ein, was ich sehr schätze.

    Liebe Grüße - Bernd __________________ _ „Frei im Wollen - Frei im Tun - Frei im Genießen“

  • Die Radspannerei Maier, neudeutsch Special Wheel Company SWC, listet Felgen in der Kontur MTC und 2,75 Zoll Breite:
    http://swc-maier.de/pdf/10TC%20%20Felgen1.pdf
    Das wäre doch mal was für den Sponsor. Bei Maier kostet die Felge ca 200E, ich vermute, netto.
    Wenn KEDO so etwas ins Programm nimmt, könnte Maier die direkt für SR passend bohren.
    Ich habe selbst gebohrt, freihändig ohne Schablone, mit "geratenem" Winkel. Im Fahrradbereich habe ich viel selbst gebohrt, aber Moppifelgen sind im Winkel erheblich intoleranter. Von Hand muss man nicht perfekt bohren, meine Räder haben kleinere Fehler. Wenn ich stärkere Abweichungen sehe, gehe ich mit dem Bohrer nochmal rein und bohre nach/um. Wenn das Speichenmaterial gut ist, die Spannung hoch und gleichmässig, geht das, die Räder halten. 2,75 Zoll ist m.E. eine sehr gute Breite für ein SR-Hinterrad, ich fahre 2,5" und 3".
    Grüsse aus der Eifel
    maro

  • Hallo Maro,


    ich bin mal so frech und ergänze deinen wunderschönen Beitrag dieser Supertour um ein paar eigene Erfahrungen.
    Vor 2 Wochen von Fr.-So. von Hannover,Harz,Altenau(Skathochburg)nach Colditz (2 Übernachtungen in der DJH vom Schloß Colditz).Samstag über Altkötschenbroda,Radebeul,Dresden,Bad Schandau,Zittau,Bischofswerda,Radeberg und retour nach Colditz.Am Sonntag heim.Die 3 Tage brachten 1250 KM ohne irgendwelche Probleme.
    Es macht einfach nur Spaß
    Grüße
    Ecki

  • Guten Abend Ecki,
    vielen Dank für Bilder und Bericht.
    Ich bin auch seit über 45 Jahren DJH-Mitglied. Alleine ist das günstig, zu zweit ist hier fast immer airbnb billiger, und man hat eine eigene Küche. Wir fahren immer zu zweit, aber Detmold bekommt jedes Jahr noch den Beitrag, weil die ID gut ist und man nie weiss, irgendwann findet man nichts im Kommerz, aber die DJH steht da, unkommerziell. Und irgendwie fühle ich mich da natürlich auch jünger...
    Ich erinnere mich an die Zeit, in der in Bayern und in der Schweiz ein Alterslimit bei 27 Jahren bestand. Ich musste nach Nürnberg, da habe ich die Familie mitgenommen, denn Familien durften rein. Die JH ist in der Burg, dieses Ambiente ist unbezahlbar, Du warst auch inner Burg/Schloss.
    Wenn wir in GB unterwegs sind, fahren wir immer noch in Jugendherbergen, in GB ist der preisliche break-even-Punkt noch woanders, und wenn dann die JH dann noch ein hysterisches Gebäude vom National Trust ist, wirz unschlagbar. Aber GB ist inzwischen ein anders Thema, schade halt.
    einen sonnigen Abend aus der Eifel
    maro

  • Hallo Maro,


    Wie immer, ein toller Reisebericht. Lese sowas sehr gerne. Wahrscheinlich
    weil ich selbst solche touren nicht mache :bash:


    Eine kleine bitte von mir, bei der nächsten Tour lass deine beste mal ein Bild
    vom Verfasser machen. Mich interessiert wer diese Berichte schreibt.


    Gruss Udo

  • Jugendherbergen sind meist ne unkomplizierte Sache und wenn man dann auch noch für wenig Geld an der Abendverpflegung teilnehmen kann, ist das für die Reisenden ne komfortable Sache.


    Dem TE und auch Ecki danke für die Bilders und Beschreibungen - ich fahre die Touren dann immer im Geiste nach und freu mich.


    Nobby

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    Better Motörhead than dead!

  • Pardon und selbstverständlich: Altenburg.
    Sollte ich eigentlich wissen, hatte ich doch dieser Tage ein Grandhand mit Vieren, Schneider schwarz angesagt.
    Lustige Grüße von Ecki

  • wow da kann man nur sagen: Mega Fotos, toll gemacht! Und was ein schöner Ausflug!

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