Mit der SR durch Marokko-Der Reisebericht

  • An dieser Stelle werde ich nun also den versprochenen Reisebericht starten. Allerdings nicht an einem Stück und auch nicht täglich also bitte etwas Geduld.

    Eins vorweg: Die SR hat es überlebt, mehr aber auch nicht.

  • Marokko mit der SR500


    Tag 1, 05.10.2021


    Die SR ist gepackt und mit mir drauf eigentlich ziemlich überladen. Ich bin nervös.

    Der Abschied von Frau und Katze fällt schwer, immerhin bin ich fast einen ganzen Monat von zu Hause weg. Dennoch geht es jetzt los ins Abenteuer Marokko.


    Vom schwäbischen Neckartenzlingen geht es über die Alb erstmal Richtung Allgäu. Ich erreiche den Bodensee und über St.Margarethen streife ich kurz Österreich mit Bregenz.

    Das Wetter bleibt bisher trocken und Grenzkontrollen finden keine statt. Um einigermassen vorwärts zu kommen habe ich mir eine Schweizer Vignette besorgt und fahre geradewegs gen Süden Richtung Lugano. Eigentlich wollte ich dem Single so etwas nicht antun aber meine Einstellung dazu wird sich im Lauf der Reise ohnehin massiv verändern, nur weiß ich davon jetzt noch nichts.

    Es wird fad auf der Autobahn und ich komme ins sinnieren: Was erwartet mich? Schaff ich das überhaupt? Habe ich die richtigen Ersatzteile dabei? Und, und, und.....

    Informiert über Marokko habe ich mich im Vorfeld eigentlich garnicht. Ich möchte mich einfach darauf einlassen.

    Ab San Bernardino kommt erst Nebel auf und kurz darauf schüttet es wie aus Kübeln, not so nice.

    Ich passiere Lugano und am Grenzübergang Chiasso staut es sich auch noch. Die Grenzbeamten winken alle Fahrzeuge gelangweilt durch, wozu habe ich eigentlich stundenlang am PC gesessen um irgendwelche EU-Einreise Formulare auszufüllen, die laut auswärtigem Amt absolut unerlässlich sind? Zum Schluss waren es 38 Seiten Behördenkram.

    Endlich in Como angekommen tropfe ich erstmal die Rezeption eines Hotels voll, habe aber Glück, es ist noch genau dieses eine Zimmer für mich frei. Die warme Dusche tut gut aber ich bin mir jetzt schon im klaren, dass die Klamotten niemals bis morgen trocknen. Als der Hotelfön anfängt zu schmelzen gebe ich diesen Plan wieder auf. Die SR steht wohlbehütet und trocken in der hauseigenen Tiefgarage.

    Ich raffe mich noch zu Fuß auf ins Zentrum auf eine gute Pizza, etwas Bier und Grappa.

    Urlaubsfeeling.

    • Official Post

    In der Situation fand ich mich auch schon mal ... alles nass, deswegen Zimmerchen. Hab dann im Schlafsack gepennt und die Klamotten mit Hilfe von Bettzeug und Handtüchern vorgetrocknet (draufgelegt und gemeinsam eingerollt, dann drauf rumgetrampelt). Dann isses nur noch halb so nass und hat eine Chance über Nacht zu trocken. Stiefel > mit Papier ausstopfen und immer wieder mal das Papier gegen trockenes wechseln. Fürs nächste Mal ...


    Bin jedenfalls auch gespannt auf den Bericht!


    Gryße!

    Andreas, der motorang

  • Weiß ja nicht, ob du den Trick kennst; wenn es regnet, einfach mit den Füßen in 2 Plastiktüten ( Einkaufstüten) einsteigen und damit in die Stiefel/ Schuhe. Dann bleiben die Füße schonmal trocken !

  • Den Trick kenne ich, danke. Die Stiefel waren allerdings nicht mein Problem sondern nach innen vollsaugendes Goretex.

  • Marokko mit der SR500


    Tag 2, 06.10.2021


    Als ich morgens aufwache ahne ich schon, dass die Zeiten eines guten Bettes vorbei sind. Ein Blick aus dem Fenster verheißt Gutes: Es regnet zumindest schonmal nicht. Die Motorradklamotten sind trotzdem noch unangenehm klamm und feucht.

    Ich denke mir: Was juckts? Nicht das erste mal und ausserdem fahre ich ja schliesslich in die Sahara.

    Richtung Genua trägt mich der Einzylinder erstmal über Landstrassen und Dörfer ins italienische „Outback“. Es ist menschenleer flach und herrlich ruhig.

    Plötzlich erscheint auf dem Handydisplay, dass ich als Navi nutze die Meldung Akku leer, bitte laden.

    ??

    Das kann doch garnicht sein, extra habe ich im Vorfeld eine USB Ladebuchse angebaut, mit der das Handy ständig verbunden ist. Ging doch gestern auch.

    Ein Halt am Strassenrand offenbart den ersten defekt. Kurze Diagnose mit verschiedenen Ladekabeln aber nix geht. Den Tank zu demontieren um die Kabelei zu checken hab ich echt keinen Bock. Schlussendlich habe ich noch eine Powerbank mit über 22000 mAh dabei. Die wird schon halten.

    Der Tag vergeht und ich bekomme ein klein wenig Zeitdruck. Also die letzten 100km über die italienische Autostrada zu 6,40€ . Die Mautstationen sind mit Handschuhen und Helm echt die Pest. Typisch italienisch werde ich sofort zurechtgehupt, als ich nicht unverzüglich die Fahrbahn räume. Ich lächle in den Helm : Bella Italia eben.

    Nebenbei bemerke ich, das die Blinker nur noch bei Drehzahl funktionieren aber nicht im Standgas. Was ist denn jetzt schon wieder?

    Zügig finde ich den angepeilten Campingplatz etwas ausserhalb vom Zentrum an einem Berghang. Zum ersten mal baue ich das extra erworbene 1 Kilozelt auf.

    Gefluche....

    Wenns dann mal steht ist es eigentlich genial: Minimales Packmass und Gewicht aber Platz um bequem zu nächtigen und all den Krempel unterzubringen, der nicht im freien bleiben soll.

    Es ist noch etwas Tageslicht und bei ein-zwei Bier widme ich mich dem Blinkerproblem. Fängt ja gut an, schon der zweite Defekt und noch nicht mal Europa verlassen..

    Ich hab zum Glück (aus purer Intuition) ein Blinkerrelais dabei. Die Belegung der Stecker stimmt nicht, also auspinnen und versuchen.

    Voller Erfolg, es funktioniert wieder wie gewünscht! Kurzerhand mit einem Streifen Panzertape am Rahmen befestigt. Das mache ich wenn ich mal Zeit habe.(Kleiner Spoiler: Es ist immer noch so befestigt.)

    Den Berg runter gehe ich zu Fuß und finde mich an der Promenade wieder. Mare Media!

    Ich bin schon etwas glücklich und stolz, mal eben hierher gefahren zu sein. Viel zu selten habe ich Gelegenheit dazu.

    Bevor ich ich wieder den steilen Berg zum Zelt hinaufhechel gibt es noch ein Ritual:

    Bier und Pizza ;)

  • Musste wahrscheinlich googeln. Irgendwie merkst du nicht, das er schon wieder Daheim ist.......Superbericht, gerade zu der Jahreszeit. :thumbup:

  • Marokko mit der SR500


    Tag 3, 07.10.2021


    Es ist noch dunkel als ich anfange das Zelt abzubauen. Ich soll ja schliesslich um 8 Uhr am Fährhafen sein.

    Hätte ich den Tag vorher erahnen können, hätte ich bequem ausgeschlafen.

    Die Nacht im Zelt war ziemlich gut, nicht zum ersten mal übernachte ich so und ich habe tatsächlich eine gewisse Gewohnheit, wie ich mich einrichte um eine gute Nacht zu haben.

    Ich fahre los und stelle schnell fest, daß Genua am morgen vergleichbar ist mit Delhi zu welcher Zeit auch immer. Der Verkehr ist die Hölle und typisch italienisch. Ich halte mich zurück und beachte sogar rote Ampeln und Zebrastreifen, falle damit aber eher negativ auf , als das es etwas nutzt.

    Da es in Hafennähe mehrere übereinanderliegende Strassen, Überführungen und Tunnel gibt, scheitere ich grandios und verfahre mich völlig. Die grobe Richtung ist schon klar aber mehr halt auch nicht.

    Typisch deutsch baue ich mir Druck auf. Ich muss ja schliesslich pünktlich sein...

    Nach ein paar Verwirrungen finde ich den Fähranleger und werde von schwer bewaffneten Grenzern auf gefordert meinen „ greenpass“ zu zeigen.

    Der Reisepass ist dabei aber ein Greenpass?????

    Nach einigen brüchigen Wortwechseln wird mir klar, das der Beamte versucht hat deutsch zu sprechen und meinen Impfpass sehen wollte. Den hab ich parat und er freut sich sichtlich mal ein Original zu sehen zu kriegen statt immer nur irgendwelche Kopien. Ich werde durchgewunken.

    Ich treffe auf die ersten Teilnehmer der Rallye und freue mich nicht mehr völlig alleine zu sein. (Anmerkung: Ein,-zwei Tage alleine ist super, mehr aber auch nicht. Liegt einfach in meiner Persönlichkeit.)

    Wir reihen uns mit Motorrädern und Autos in die Warteschlange vor der Fähre ein.

    Und warten

    lange

    sehr lange

    Erste Gespräche kommen zustande aber die Fähre ist noch nicht einmal da.

    Es gibt noch einen Supermarkt in erreichbarer Nähe und es wird sich eingedeckt. Erste Bierdosen gehen auf.

    Stunden vergehen und am Nachmittag kommt die Fähre endlich an.

    Was dann passiert lässt nichts gutes hoffen. Gigantisch überladene Transporter verlassen den Kahn, alles Gastarbeiter, die Massen an Waren nach Italien bringen.

    Gefolgt von zeitraubenden Verladeaktionen. Insgesamt werden fünf gigantische Bagger in fragwürdigem Zustand auf die Fähre verladen. Dann sind endlich wir dran.

    Mit satten sechs Stunden Verspätung legt die Fähre ab, wir (die SR und ich) verlassen Europa.

    Ich bin aufgeregt, esse noch etwas Salami aus dem Supermarkt und trinke ein Bier.

    Die Kabine habe ich für mich alleine.

    Ich schlafe recht früh ein und bemerke nur am Rande das schaukeln auf dem Mittelmeer.

  • Interessanter Bericht, freue mich schon auf die nächsten Etappen!


    Gruss,

    Florian

  • Diese Sche...warterei in Häfen oder auch auf Flughäfen wäre halb so schlimm, wenn einem rechtzeitig mitgeteilt würde, wie lang es noch dauert. Ist leider meist nicht der Fall. Also steht man doof rum und traut sich nicht so richtig weg.

    Bin auch neugierig, wie es weitergeht.

    ---------------------------------------------------------------------------------------------------


    Better Motörhead than dead!

  • Danke für die ersten 3 Teile. Warte gespannt auf die Fortsetzung

    Ein Motorrad muß schwarz sein :)

  • Danke Euch für den Zuspruch und das Interesse, weiter geht´s:


    Marokko mit der SR500


    Tag 4, 08.10.2021


    Ich habe ziemlich lang geschlafen , das Dauerdröhnen des gigantischen Schiffsdiesels erinnert mich etwas an Flugreisen, ist aber nicht so schlimm, dass ich Ohrenstöpsel bräuchte.

    Am Heck der Fähre gibt es eine kleine Bar und mein Frühstück besteht aus einem Cafe Americano con Leche und einem viel zu süssen Schokomuffin.

    Per Zufall erfahre ich von anderen Teilnehmern, dass im unteren Deck Beamte der marokkanischen Behörden die Einreiseformulare erledigen um in Tanger ein schnelles ausschiffen (sagt man das so?) zu ermöglichen.

    Ich Reihe mich mit meinem Reise- und Impfpass in die Warteschlange vor dem improvisierten „Büro“ ein. Nach einer dreiviertelstunde erfahre ich, dass ich mit meinen Fahrzeugpapieren auch noch in der parallel verlaufenden Warteschlange vorstellig werden muss, damit die SR in meine Papiere eingetragen wird. Das macht Marokko so, um sicherzustellen, dass die Fahrzeuge das Land auch wieder verlassen. Prävention gegen Schrottimporte.

    Da ich keinerlei Lust verspüre mich nochmal einzureihen und ausserdem meine Fahrzeugpapiere in der Kabine liegen, verschiebe ich das auf morgen. Auf Nachfrage heisst es: Ja, der Beamte sitzt auch morgen den ganzen Tag da unten. Also gut.

    Ich bin ja schliesslich zwei Tage auf dem Kutter also genug Zeit.

    Der Nachmittag wird etwas zäh liefert aber sehr nette erste Kennenlerngespräche mit anderen mitreisenden. Europa ist hinter uns verschwunden und es wird kühl auf offener See.

    Am Abend esse ich nur eine Kleinigkeit, es ist teuer an Bord und ich könnte sowieso ein paar Kilo weniger vertragen.

    Ich lese noch etwas im Roadbook, das wir bei der Akkreditierung am Fährhafen erhalten haben und vergleiche es mit dem Kartenmaterial, dass ich dabei habe.

    5000km in Marokko

    In die Sahara

    Offroad


    Von Zweifeln geplagt schlafe ich ein und nicht sehr gut...

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    Ist genau so wie Axilator schrieb. Den Gummi erst in den chrombecher einsetzen und dann mit gefühl und wenn nötig
    mit ein bischen ölunterstützung tacho oder DZM einführen :S

    Gruss Udo
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