Posts by Tobster

    Marokko mit der SR500


    Tag 8, 12.10.2021


    Das Frühstück im Hotel ist der absolute Hammer. Der Kerl der uns alles serviert, hört und hört nicht auf uns den Tisch mit allen möglichen Leckereien vollzustellen.

    Uns wird das Tor der Tiefgarage geöffnet und wir starten Richtung Essaouira, dem offiziellen Start der Veranstaltung und erstem Checkpoint.

    Wir treffen unterwegs wieder auf Martina und Mario, die beiden lassen bei allen Mopeds etwas Luft aus den Reifen, es erwarten uns laut Routenführung etwa 40km Offroad.

    Da ich so etwas nicht zum ersten Mal mache fühle ich mich mit meinem (langsamen) Tempo ziemlich wohl. In einer Senke übersehe ich den Tiefsand, der sich unter etwas losem Geröll versteckt und ich mache einen kapitalen Gewohnheitsfehler. Ich bremse vorne.

    Der Lenker schlägt zweimal hin- und her , nur ein kurzer Gasstoss rettet die Situation für mich und böse schlingernd bekomme ich wieder festen Untergrund unter die Räder.

    Anhalten, durchatmen. Das war haarig.

    Erst jetzt realisiere ich die liegende DR650 an der Seite. Gerhard hat es nicht geschafft und ist hässlich gestürzt. Das Motorrad hat nicht viel aber Gerhard ist am Schienbein verletzt und ist im Moment kreidebleich. Gebrochen ist wohl nichts , er kann auftreten und voll belasten. Er weigert sich die Verletzung freizulegen, der Stiefel hält das zusammen, sagt er.

    Ab hier nehme ich noch mehr Gas raus und falle zurück.

    Das Ziel ist ein kleines Dorf oberhalb von Taghazout. Die Rallye soll nicht nur Abenteuer und Spass sein sondern den Menschen vor Ort auch etwas nutzen. Der Veranstalter arbeitet mit Africa Child care e.V. zusammen um Spenden für den Bau, bzw. Ausbau einer Vorschule zusammenzubekommen. 45.000 € werden benötigt. Im Vorfeld ist bereits deutlich mehr zusammengekommen und der Bau eines zweiten Klassenzimmers hat bereits begonnen.

    Michael aus Graz ist der Mann, der das ganze überwacht und koordiniert.

    Ich erreiche das Dorf und finde die Schule nicht. Alle Häuser sehen gleich aus, das liegt an den Bauvorschriften in einem Erdbebengebiet. Nichtmal französisch bringt mich weiter, ich bin im Berberland. Dieser Umstand macht eine Vorschule auch so wichtig: Marokko ist dreisprachig, Französisch als Amtssprache, Arabisch und dann eben Berber, die Sprache der Landbevölkerung.

    Ohne einen Grundschatz dieser drei Sprachen haben die Kinder im restlichen Bildungssystem keine Chance mehr weiterzukommen.

    Das ich niemanden antreffe liegt einfach daran, dass ich der erste bin. Wie zum Kuckuck habe ich das denn hinbekommen?

    Nach und nach trudeln weitere Teilnehmer ein und es wird belebt. Wir dürfen umringt von Kindern die Schule besichtigen während die Frauen des Dorfes das Essen für uns vorbereiten. Das Geld um die Lebensmittel zu kaufen haben wir im Vorfeld bezahlt, denn die Menschen hier haben ausser dem Dach über dem Kopf eigentlich nichts, garnichts.

    Die niedrigen Tischchen werden mit Tajine (mar. Kochgefäss aus Lehm) vollgestellt und das Essen ist einfach nur traumhaft. Landestypisch Essen wir im Schneidersitz auf dem Boden mit der rechten Hand. Was die Frauen da gezaubert haben ist ein kulinarischer Hochgenuss und wird unvergesslich bleiben.

    Es dämmert bereits als wir uns verabschieden, wir müssen ins Tal an die Atlantikküste zurück um einen Schlafplatz zu finden.

    Das Appartement finden wir nicht. Es ist stockdunkel in der Seitengasse als ein SUV die Ausfahrt der Sackgasse blockiert. Der Mann gibt vor helfen zu wollen. Allein seine Körpersprache und sein auftreten kennen wir von den Marokkanern so nicht. Er brüllt etwas und aus mehreren unbeleuchteten Hauseingängen kommen vermummte Gestalten auf uns zu.

    Gang rein und Gas, da sind wir uns alle einig. Flucht.

    Ich verpasse dem SUVmit dem linken Koffer noch eine ordentliche Delle um vorbeizukommen und wir flüchten.

    Wir steuern erstmal eine Polizeiwache an, da wir fürchten evtl. verfolgt zu werden.

    Der Polizist rät uns nicht hier zu bleiben , dieser Stadtteil sei nicht sicher für uns. Mittlerweile sind wir zu siebt, da auch andere verzweifelt eine bleibe suchen. Im Hauptort etwa acht Kilometer weiter gäbe es Hotels. Der Polizist hat recht und wir finden direkt an der Strasse ein feines ,kleines Hotel in dem unsere Motorräder im eingefriedeten Cafe eingesperrt werden.

    Um 22 Uhr noch eine Dusche und dann ins Bett, der Tag war aufregend.

    Marokko mit der SR500


    Tag 7, 11.10.2021


    Die Nacht war unruhig, ich schiebe das einfach auf die ungewohnte Schlafsituation. Wie ich die Luftmatratze zusammenlegen will merke ich , daß ich des Nächtens nicht alleine war. Irgendein Insekt hat ein mächtiges Eipaket unter der LuMa abgelegt.

    Ich kann damit umgehen, so beruflich gesehen.

    Josef hat einen Kocher und Instantkaffe dabei und brüht eine Ladung nach der anderen für uns.

    Uns wird klar, daß wir direkt am Atlantik sind, man sieht nur wenig, da es unglaublich neblig ist.

    Ich schmecke das Salz in meinem Helm und kann buchstäblich zuschauen, wie die SR unter mir vor Rost nur so aufblüht. An Stellen, die ich nie vermutet hätte.

    Was tu ich dem Moped nur an?

    Der Tag kann sich je nach Strassenführung( Anmerkung des Autors: Strasse wird nunmehr nur noch als löchriges Teerband mit Schäden definiert.) nicht zwischen Kühl und heiß entscheiden. Das ist echt komisch, kaum ist man durchgeschwitzt, friert man wieder und klappt das Visier zu.

    Wir fahren durch einige Siedlungen, die völlig verstopft sind und im Kern immer eine Art Marktplatz haben bei dem kein Duchkommen mehr ist. Es sei denn man fährt Motorrad. Wir setzen die Verkehrsregeln ausser Kraft. Interessiert aber auch niemanden, eher haben wir das Gefühl, als Zweiradler „was besonderes“ zu sein. Wir werden durchgelassen und uns wird immer wieder mit einem Daumen nach oben signalisiert, daß wir willkommen sind. Ein tolles Gefühl.

    Manfred kauft in einem Strassenshop marokkanische SIMkarten für uns alle, allerdings mit Hilfe der Sprachkenntnisse von Mohamed.

    Bei der Akkreditierung haben wir zwar alle im Startpaket eine SIMkarte gehabt aber leider hat sich herausgestellt, das der Veranstalter über ein etwaiges Ablaufdatum wohl angelogen wurde. Keine Einzige hat funktioniert.

    Endlich können wir mit anderen Rallyeteilnehmern Kontakt halten. Das ist ein echtes Sicherheitsplus.

    Es dämmert bereits als wir Safi erreichen. Wir lassen es uns gutgehen und finden schnell ein sehr gepflegtes Hotel mit Tiefgarage mitten im Zentrum. Wir sind zu fünft und bezahlen für eine Suite mit drei Zimmern, Dachterasse und Frühstück umgerechnet 100 €.

    Direkt vor der Tür gibt es so etwas wie einen kleinen Marktplatz, ich entdecke ein Schild und kann es kaum glauben.

    Dort steht das Wort Beer!

    Tatsächlich ein waschechter Liquorstore. Josef und ich decken uns massiv mit Bier und Wein ein, allerdings ist das jetzt wiederum nich billig, ne Dose 0,33 Bier zu mindestens 2,-€.

    Was soll´s, Ihr Land Ihre Regeln und wir werden garantiert daran nicht rummaulen.

    Essen gibt es in einer kleinen Strassenbräterei.

    Suppe, Cola und ein Teller mit Fritten, Salat und drei Scheiben gebratenem Fleisch zu etwa fünf Euro.

    Ich habe Anfangs noch bedenken mit dem Essen aber es stellt sich heraus, daß diese völlig unbegründet sind. Dennoch ist der Grundsatz „Cook it or forget it“ ein gutes Hilfsmittel um Gesund zu bleiben. Der Salat bleibt liegen.

    Am Abend quassel ich mich mit Josef auf der Dachterasse des Hotels fest, es wird spät mit den Bierchen und ich schlafe nicht besonders.

    Marokko mit der SR500


    Tag 6, 10.10.2021


    Punkt 6 Uhr werde ich aus dem Schlaf gerissen. Was zum.... ist das für ein Geschrei?

    Achso, von der nahegelegenen Moschee plärrt der Muezzin sein Morgengebet in mieser Qualität aus der Konserve. Dieses Phänomen wird uns noch ein bisschen begleiten.

    Wo ich schon mal wach bin geniesse ich beim Zeltabbau die milde, sommerliche Brise. Herrliches Wetter.

    Es startet der Prolog mit der Vorgabe, daß wir drei Tage Zeit haben um bis nach Essaouira zu kommen. Komplett auf eigene Faust ohne jegliche Übernachtungsempfehlungen oder Vorgaben. So lerne man das Land ziemlich schnell kennen und verstehen. Das stimmt so.

    Ich bin zunächst alleine unterwegs, denke mir, das wird schon gehen. Bin ja schliesslich erwachsen.

    Als Navi benutze ich maps.me auf dem Smartphone. Das funktioniert hervorragend, diese gratis App bringt einen buchstäblich ans Ende der Welt.

    Ich brauche erstmal Benzin, auch die Rservekanister sind leer, die habe ich noch in Italien eingefüllt, da man nach Marokko keinen Sprit ausser im Fahrzeugeigenen Tank einführen darf.

    Ich lasse den Tankwart ( hier wird generell nicht selbst getankt) alles vollmachen und will zahlen.

    Nocarta! Nocarta!

    Scheisse, ich bin mit den Gepflogenheiten noch nicht vertraut habe aber auch noch kein Bargeld. Euro will er nicht.

    Er beschreibt mir den Weg zum nächsten Geldautomaten und lässt mich gehen. So ganz verstanden habe ich Ihn natürlich nicht aber er gibt mir diesen Vertrauensvorschuss, dass ich zurückkomme und bezahle. Selbstverständlich mache ich das.

    Kaum verlasse ich die Stadtgrenze hört die Strasse unvermittelt auf. Ich peile die Route nach Süden entlang der Atlantikküste an und muss erstmal ein Vorortslum durchqueren. Jetzt habe ich mein Offroad aber es wäre schöner ohne Fäkalien und Abwasser auf der Strasse gewesen. Ich zirkle langsam zwischen den Baracken durch. Ich kann weiterfahren, die Menschen die hier leben müssen bleiben....

    Ich passiere einen kleinen Pinienwald, in dem Kühe weiden und versuche den Pfad zwischen umgestürzten Bäumen wieder zu finden. Nach einer Unterführung geht es weiter auf einer Landstrasse.

    In einem kleinen Ort sehe ich Rallyeteilnehmer am Strassenrand , irgendwas passiert dort , ein Motorrad liegt auf der Seite.

    Ich halte an und erkenne einen Schlosser, der Gerhards Seitenständer zusammenschweisst. Dieser war ihm beim ankicken seiner DR650 auf der Fähre abgebrochen. Hier fängt es an , dass wir das marokkanische Kommunikationssystem kennenlernen.

    Hände, Füsse, drauf zeigen und so weiter. Das funktioniert überraschend gut.

    Ab diesem Zeitpunkt bin ich so ein bisschen von Team Mangerjo (Manfred, Gerhard, Josef) adoptiert. Wir fahren gemeinsam weiter.

    Wir schaffen die angepeilte Etappe nicht ganz und suchen uns einen Campingplatz. Uns angeschlossen hat sich auch Mohamed, ein junger Schweizer Student, der mit seiner DR650 über Mauretanien in den Senegal fahren will.Sein Ziel ist Dakar. Er ist eigentlich kein Teilnehmer, wir haben ihn auf der Fähre kennengelernt und natürlich begleiten wir uns gegenseitig auf den ersten Etappen Richtung Süden.

    Mohamed ist ein echtes Goldstück und kann gut arabisch und fliessend französisch. Er wird uns immer wieder weiterhelfen.

    Ich möchte mein Zelt aufbauen und scheitere am Betonharten Boden. Mist ein echter Fehlkauf für Marokko. Das Zelt braucht mindesten 4 Heringe um zu stehen.

    Wir gehen noch im Ort eine grandiose Fischplatte essen, alles frisch und superlecker.

    Ein Obdachloser sammelt unsere Essensreste ein, nachdem wir den Tisch verlassen haben...


    Da mein Zelt ja nun nicht steht schlafe ich einfach auf der Luftmatratze im Gang vom Klo.

    Danke Euch,

    nein, bereut habe ich es sicher nicht. Obwohl es schon Momente gab, die grenzwertig waren. aber das kommt noch;-)

    Was den Bericht im AIA Forum angeht: Den habe ich gerade genüsslich verschlungen, danke. Martina und Mario sind zwei ganz tolle Menschen und es ist umso geiler als ich ja live dabei war für ein Stündchen im Schrauberhotel. Wo andere an der Situation verzweifeln hat Mario immer einen lockeren Spruch und ein Lachen auf Lager.

    Marokko mit der SR500


    Tag 5, 09.10.2021


    Ich habe in der Kabine wieder ziemlich lang geschlafen , anscheinend tut mir die Auszeit erstmal gut.

    Morgens gibt’s nur einen klassischen Americano con leche.

    Ansonsten ist der Rest des Tages von der Erwartung der Ankunft in Tanger geprägt. Die restlichen Einreiseformalitäten habe ich an Bord erledigt, diesmal im Eilgang. Da ich wusste, der arme Kerl würde wieder den ganzen Tag da unten in seinem Kabuff hocken bin ich schon am Vormittag mit den Fahrzeugpapieren hin und siehe da: Null Wartezeit.

    Wir kommen aufgrund der massiven Verspätung bei Sonnenuntergang in Tanger an. Der Plan der marokkanischen Regierung geht auf und die Einreise ist dank der vorbereiteten Papiere in Minuten erledigt.

    Allerdings sind wir nicht im Hafen von Tanger sondern in Tanger Medina und dieser Hafen liegt etwa 25 Kilometer von unserem angepeilten ersten Campground auf marokkanischem Boden entfernt. Ich weiss das zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

    Mittlerweile ist es fast dunkel, so hab ich mir das nicht vorgestellt. Es wurde immer strikt davon abgeraten hier im Dunkeln zu fahren.

    Zu gefährlich...

    tödlich...

    An der Hafenausfahrt versuchen uns Kinder zu stoppen, die irgendetwas verkaufen wollen. Einigermassen unbedarft will ich wissen um was es geht. Marihuana.

    Ich geb Gas, nicht mein Ding und ausserdem kommen im Hintergrund schon die Cops gerannt.


    Per Zufall klammer ich mich an Martina und Mario, wir hatten schon kurze Gespräche an Bord, erst später bekomme ich mit, wen ich da kennenlernen durfte.

    Martina hat das Navi an und fährt voraus. Es geht direkt hinein nach Tanger.

    Die Stadt ist quietschbunt, quirlig, voller junger Menschen und hochmodern, das ist jetzt also Afrika??? ( Spoiler 2: ändert sich heftig...)

    Auf der Fähre hat mir meine Navi App 4,2km zum Camp angezeigt aber Martina fährt und fährt und fährt. An einer Ampel frage ich nach und erfahre erst jetzt das Problem mit der falschen Anlegestelle.

    Fast schon wieder aus Tanger raus entdecke ich die Einfahrt zum Campingplatz und hupe die beiden zusammen, da sie einfach vorbeigekachelt sind.

    Wir finden einen kleinen aber gepflegten Campground in Hanglage vor und dürfen uns im dunkeln ausbreiten. Bereits hier gibt es erste Verständigungsprobleme aber das legt sich mit der Zeit.

    Etwas weiter oben befindet sich ein sehr schickes , modernes Restaurant in dem man auch mit € bezahlen kann, Dirham haben wir noch nicht. Andere Rallyeteilnehmer treffen ein und ich verpasse jedem eine persönliche Einweisung, da ich ja schon weiss, wo Dusche und WC zu finden sind. Noch sind die Toilletten europäisch , zum Glück.

    Wir essen noch etwas im Restaurant und die Frage nach Bier wird negativ beantwortet.

    Nicht schlimm, wir sind Gäste in einem moslemischen Land.

    Wir sind endlich in Marokko!

    Danke Euch für den Zuspruch und das Interesse, weiter geht´s:


    Marokko mit der SR500


    Tag 4, 08.10.2021


    Ich habe ziemlich lang geschlafen , das Dauerdröhnen des gigantischen Schiffsdiesels erinnert mich etwas an Flugreisen, ist aber nicht so schlimm, dass ich Ohrenstöpsel bräuchte.

    Am Heck der Fähre gibt es eine kleine Bar und mein Frühstück besteht aus einem Cafe Americano con Leche und einem viel zu süssen Schokomuffin.

    Per Zufall erfahre ich von anderen Teilnehmern, dass im unteren Deck Beamte der marokkanischen Behörden die Einreiseformulare erledigen um in Tanger ein schnelles ausschiffen (sagt man das so?) zu ermöglichen.

    Ich Reihe mich mit meinem Reise- und Impfpass in die Warteschlange vor dem improvisierten „Büro“ ein. Nach einer dreiviertelstunde erfahre ich, dass ich mit meinen Fahrzeugpapieren auch noch in der parallel verlaufenden Warteschlange vorstellig werden muss, damit die SR in meine Papiere eingetragen wird. Das macht Marokko so, um sicherzustellen, dass die Fahrzeuge das Land auch wieder verlassen. Prävention gegen Schrottimporte.

    Da ich keinerlei Lust verspüre mich nochmal einzureihen und ausserdem meine Fahrzeugpapiere in der Kabine liegen, verschiebe ich das auf morgen. Auf Nachfrage heisst es: Ja, der Beamte sitzt auch morgen den ganzen Tag da unten. Also gut.

    Ich bin ja schliesslich zwei Tage auf dem Kutter also genug Zeit.

    Der Nachmittag wird etwas zäh liefert aber sehr nette erste Kennenlerngespräche mit anderen mitreisenden. Europa ist hinter uns verschwunden und es wird kühl auf offener See.

    Am Abend esse ich nur eine Kleinigkeit, es ist teuer an Bord und ich könnte sowieso ein paar Kilo weniger vertragen.

    Ich lese noch etwas im Roadbook, das wir bei der Akkreditierung am Fährhafen erhalten haben und vergleiche es mit dem Kartenmaterial, dass ich dabei habe.

    5000km in Marokko

    In die Sahara

    Offroad


    Von Zweifeln geplagt schlafe ich ein und nicht sehr gut...

    Marokko mit der SR500


    Tag 3, 07.10.2021


    Es ist noch dunkel als ich anfange das Zelt abzubauen. Ich soll ja schliesslich um 8 Uhr am Fährhafen sein.

    Hätte ich den Tag vorher erahnen können, hätte ich bequem ausgeschlafen.

    Die Nacht im Zelt war ziemlich gut, nicht zum ersten mal übernachte ich so und ich habe tatsächlich eine gewisse Gewohnheit, wie ich mich einrichte um eine gute Nacht zu haben.

    Ich fahre los und stelle schnell fest, daß Genua am morgen vergleichbar ist mit Delhi zu welcher Zeit auch immer. Der Verkehr ist die Hölle und typisch italienisch. Ich halte mich zurück und beachte sogar rote Ampeln und Zebrastreifen, falle damit aber eher negativ auf , als das es etwas nutzt.

    Da es in Hafennähe mehrere übereinanderliegende Strassen, Überführungen und Tunnel gibt, scheitere ich grandios und verfahre mich völlig. Die grobe Richtung ist schon klar aber mehr halt auch nicht.

    Typisch deutsch baue ich mir Druck auf. Ich muss ja schliesslich pünktlich sein...

    Nach ein paar Verwirrungen finde ich den Fähranleger und werde von schwer bewaffneten Grenzern auf gefordert meinen „ greenpass“ zu zeigen.

    Der Reisepass ist dabei aber ein Greenpass?????

    Nach einigen brüchigen Wortwechseln wird mir klar, das der Beamte versucht hat deutsch zu sprechen und meinen Impfpass sehen wollte. Den hab ich parat und er freut sich sichtlich mal ein Original zu sehen zu kriegen statt immer nur irgendwelche Kopien. Ich werde durchgewunken.

    Ich treffe auf die ersten Teilnehmer der Rallye und freue mich nicht mehr völlig alleine zu sein. (Anmerkung: Ein,-zwei Tage alleine ist super, mehr aber auch nicht. Liegt einfach in meiner Persönlichkeit.)

    Wir reihen uns mit Motorrädern und Autos in die Warteschlange vor der Fähre ein.

    Und warten

    lange

    sehr lange

    Erste Gespräche kommen zustande aber die Fähre ist noch nicht einmal da.

    Es gibt noch einen Supermarkt in erreichbarer Nähe und es wird sich eingedeckt. Erste Bierdosen gehen auf.

    Stunden vergehen und am Nachmittag kommt die Fähre endlich an.

    Was dann passiert lässt nichts gutes hoffen. Gigantisch überladene Transporter verlassen den Kahn, alles Gastarbeiter, die Massen an Waren nach Italien bringen.

    Gefolgt von zeitraubenden Verladeaktionen. Insgesamt werden fünf gigantische Bagger in fragwürdigem Zustand auf die Fähre verladen. Dann sind endlich wir dran.

    Mit satten sechs Stunden Verspätung legt die Fähre ab, wir (die SR und ich) verlassen Europa.

    Ich bin aufgeregt, esse noch etwas Salami aus dem Supermarkt und trinke ein Bier.

    Die Kabine habe ich für mich alleine.

    Ich schlafe recht früh ein und bemerke nur am Rande das schaukeln auf dem Mittelmeer.

    Marokko mit der SR500


    Tag 2, 06.10.2021


    Als ich morgens aufwache ahne ich schon, dass die Zeiten eines guten Bettes vorbei sind. Ein Blick aus dem Fenster verheißt Gutes: Es regnet zumindest schonmal nicht. Die Motorradklamotten sind trotzdem noch unangenehm klamm und feucht.

    Ich denke mir: Was juckts? Nicht das erste mal und ausserdem fahre ich ja schliesslich in die Sahara.

    Richtung Genua trägt mich der Einzylinder erstmal über Landstrassen und Dörfer ins italienische „Outback“. Es ist menschenleer flach und herrlich ruhig.

    Plötzlich erscheint auf dem Handydisplay, dass ich als Navi nutze die Meldung Akku leer, bitte laden.

    ??

    Das kann doch garnicht sein, extra habe ich im Vorfeld eine USB Ladebuchse angebaut, mit der das Handy ständig verbunden ist. Ging doch gestern auch.

    Ein Halt am Strassenrand offenbart den ersten defekt. Kurze Diagnose mit verschiedenen Ladekabeln aber nix geht. Den Tank zu demontieren um die Kabelei zu checken hab ich echt keinen Bock. Schlussendlich habe ich noch eine Powerbank mit über 22000 mAh dabei. Die wird schon halten.

    Der Tag vergeht und ich bekomme ein klein wenig Zeitdruck. Also die letzten 100km über die italienische Autostrada zu 6,40€ . Die Mautstationen sind mit Handschuhen und Helm echt die Pest. Typisch italienisch werde ich sofort zurechtgehupt, als ich nicht unverzüglich die Fahrbahn räume. Ich lächle in den Helm : Bella Italia eben.

    Nebenbei bemerke ich, das die Blinker nur noch bei Drehzahl funktionieren aber nicht im Standgas. Was ist denn jetzt schon wieder?

    Zügig finde ich den angepeilten Campingplatz etwas ausserhalb vom Zentrum an einem Berghang. Zum ersten mal baue ich das extra erworbene 1 Kilozelt auf.

    Gefluche....

    Wenns dann mal steht ist es eigentlich genial: Minimales Packmass und Gewicht aber Platz um bequem zu nächtigen und all den Krempel unterzubringen, der nicht im freien bleiben soll.

    Es ist noch etwas Tageslicht und bei ein-zwei Bier widme ich mich dem Blinkerproblem. Fängt ja gut an, schon der zweite Defekt und noch nicht mal Europa verlassen..

    Ich hab zum Glück (aus purer Intuition) ein Blinkerrelais dabei. Die Belegung der Stecker stimmt nicht, also auspinnen und versuchen.

    Voller Erfolg, es funktioniert wieder wie gewünscht! Kurzerhand mit einem Streifen Panzertape am Rahmen befestigt. Das mache ich wenn ich mal Zeit habe.(Kleiner Spoiler: Es ist immer noch so befestigt.)

    Den Berg runter gehe ich zu Fuß und finde mich an der Promenade wieder. Mare Media!

    Ich bin schon etwas glücklich und stolz, mal eben hierher gefahren zu sein. Viel zu selten habe ich Gelegenheit dazu.

    Bevor ich ich wieder den steilen Berg zum Zelt hinaufhechel gibt es noch ein Ritual:

    Bier und Pizza ;)

    Marokko mit der SR500


    Tag 1, 05.10.2021


    Die SR ist gepackt und mit mir drauf eigentlich ziemlich überladen. Ich bin nervös.

    Der Abschied von Frau und Katze fällt schwer, immerhin bin ich fast einen ganzen Monat von zu Hause weg. Dennoch geht es jetzt los ins Abenteuer Marokko.


    Vom schwäbischen Neckartenzlingen geht es über die Alb erstmal Richtung Allgäu. Ich erreiche den Bodensee und über St.Margarethen streife ich kurz Österreich mit Bregenz.

    Das Wetter bleibt bisher trocken und Grenzkontrollen finden keine statt. Um einigermassen vorwärts zu kommen habe ich mir eine Schweizer Vignette besorgt und fahre geradewegs gen Süden Richtung Lugano. Eigentlich wollte ich dem Single so etwas nicht antun aber meine Einstellung dazu wird sich im Lauf der Reise ohnehin massiv verändern, nur weiß ich davon jetzt noch nichts.

    Es wird fad auf der Autobahn und ich komme ins sinnieren: Was erwartet mich? Schaff ich das überhaupt? Habe ich die richtigen Ersatzteile dabei? Und, und, und.....

    Informiert über Marokko habe ich mich im Vorfeld eigentlich garnicht. Ich möchte mich einfach darauf einlassen.

    Ab San Bernardino kommt erst Nebel auf und kurz darauf schüttet es wie aus Kübeln, not so nice.

    Ich passiere Lugano und am Grenzübergang Chiasso staut es sich auch noch. Die Grenzbeamten winken alle Fahrzeuge gelangweilt durch, wozu habe ich eigentlich stundenlang am PC gesessen um irgendwelche EU-Einreise Formulare auszufüllen, die laut auswärtigem Amt absolut unerlässlich sind? Zum Schluss waren es 38 Seiten Behördenkram.

    Endlich in Como angekommen tropfe ich erstmal die Rezeption eines Hotels voll, habe aber Glück, es ist noch genau dieses eine Zimmer für mich frei. Die warme Dusche tut gut aber ich bin mir jetzt schon im klaren, dass die Klamotten niemals bis morgen trocknen. Als der Hotelfön anfängt zu schmelzen gebe ich diesen Plan wieder auf. Die SR steht wohlbehütet und trocken in der hauseigenen Tiefgarage.

    Ich raffe mich noch zu Fuß auf ins Zentrum auf eine gute Pizza, etwas Bier und Grappa.

    Urlaubsfeeling.

    Hallo zusammen!

    Ich bin seit gestern Abend wohlbehalten wieder zurück. Das fühlt sich alles noch etwas strange an.

    Ich werde dann demnächst einen Reisebericht starten im entsprechenden Unterforum.


    Bis dahin

    Das mit dem Neopren ist bekannt und nicht schlimm, die Dinger fallen eh bald schon ab.
    Ansonsten geht es morgen los , ich habe mittlerweile 38 Formulare ausgedruckt um nach Genua und zurück zu kommen. Da war es deutlich einfacher mal durch die DDR zu tingeln....
    Mal schauen, wie weit ich komm.
    Berichten werde ich an dieser Stelle wohl eher dann im November wenn ich zurück bin und alles gut gelaufen ist.
    Ansonsten wer mag gerne auf Instagram unter tobi_ashoffmann. Das ist mein privater Account. Da wird es während er Reise ab und an mal Bildchen geben.


    So long und danke für gedrückte Daumen.

    Heute habe ich eine finale Probefahrt im vollbeladenen Zustand gemacht. Wie erwartet ist die Fuhre sehr hecklastig aber noch gut fahrbar. Einzig in schnellen Kurven fühlt es sich nicht so stabil an wie sonst, da ist Körperarbeit gefragt: Mit vorrutschen Richtung Tank wird alles besser, auch wie zu erwarten war.
    Mein hochgelobter Abstützbügel zwischen den Koffern hat sich nicht bewährt. Bewusst ein paar Ackerabschnitte gefahren und gewollt zügig größere Schlaglöcher und Senken durchfahren haben dazu geführt, dass heute Mittag nochmal die Flex und ein altes Stück Flachstahl von einem Trekker das ganze deutlich verstärkt haben.
    Rechts in einem Bild seht Ihr, dass das dazu geführt hat, das der Bügel am Reservekanister scheuert. Nicht gut. Deshalb ist da jetzt eine Metallplatte aufgeklebt, von der ich erwarte sie spätestens in der Schweiz zu verlieren.
    Nichts hält länger als ein gutes Provisorium.
    Noch zwei Tage....
    Ich bin nervös....

Recent Activities

  • Stuppy

    Replied to the thread Erster Gang nach Kaltstart.
    Post
    Ne, Tscharlie, ich denke an ein 10/40mineralisch !? Ist doch ok., oder ?
  • Tscharlie

    Replied to the thread Erster Gang nach Kaltstart.
    Post
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    Man kann jedes Öl nehmen das für Ölbadkupplungen freigegeben ist. Aber nicht einfach irgendein synthetisches Mehrbereichsöl einfüllen, dann ruckt die Kupplung beim Einlegen gar nicht mehr,…
  • Stuppy

    Replied to the thread Erster Gang nach Kaltstart.
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    Jungs, ich bin gerührt, nicht geschüttelt ! Ich werde sämtliche Tricks dazu ausprobieren. Berichte dann.......was bei unserer Zicke geholfen hat .
  • Hiha

    Replied to the thread Erster Gang nach Kaltstart.
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    Vor dem Einlegen des ersten Gangs das Moped mit Beinkraft etwas ins rollen bringen, dann in Standdrehzahl den Ganghebel treten. Da brauchts dann nichtmal kupplung.
    Gruß
    Hans
  • galaxo-gang

    Posted the thread AC-Stammtisch Februar 2022.
    Thread
    Moin,

    der Februarstammtisch findet am Dienstag, 08.02.2022 ab 19:00 Uhr im Teuter Hof, Würselen statt.

    Gruß gg
  • PaulKehrbaum

    Replied to the thread Erster Gang nach Kaltstart.
    Post
    bei meinen vergangen Maschinen CBR 600 ; GSXR 1100 R; GSF 650 SA war das selbe. Ein Wechsel auf synthetisches Mehrbereichsöl 5W40 und 10W60 brachte fast sofortige Abhilfe. Man konnte sogar an der Ampel die Kupplung betätigen, kurz warten, das Getriebe…
  • Srsrx

    Replied to the thread Erster Gang nach Kaltstart.
    Post
    Die SR vor dem Kaltstart kurz Schieben mit eingelegtem Gang und gezogener Kupplung. Das löst die Verklebung der Kupplungslamellen.
  • *Wolfgang*

    Post
    Rene, auch wenn ich Dich nicht kenne: Alles Gute!!!!
  • Eicher

    Post
    Moin,
    Sohnemann wartet schon...... auf meine ....SR.
  • Eicher

    Replied to the thread Erster Gang nach Kaltstart.
    Post
    Hm,
    nach dem Antreten.... ohne Hecktik:
    Helm auf,
    Jacke an,
    Handschuhe an,
    Kippe aus,
    Rundgang, ob nix ab gewackelt ist seit der letzten Fahrt....
    dann geht das.....
    :310: